Fragen ENEV - Bauplanung, Baustatik, Bauherrenberater, Baumängel, Schulungen, Gutachten

Direkt zum Seiteninhalt

Fragen ENEV

Energieberater

Fragen und Antworten zur Energieeinsparverordnung 2014

Was ist die ENEV 2014?

Die ENEV 2014 ist eine Verordnung auf der gesetzlichen Grundlage des Energieeinspargesetzes.Sie dient der Umsetzung der Richtlinie 2006/32/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5.April 2006 über Energieeffizienz und Energiedienstleistungen.Sie ist ab 1.Mai 2014 in Kraft getreten.

Warum soll ich die ENEV 2014 beachtet werden?

Wer vorsätzlich oder leichtfertig die Verordnung nicht beachtet, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld bis zu 15.000 Euro belegt werden (§ 8 Abs. 3 EnEG)

Wer ist verantwortlich für die Einhaltung der ENEV2014?

Die Eigentümer der Gebäude, egal ob Wohn- oder Nichtwohngebäude.

Für wen gilt die ENEV2014?

Die Verordnung gilt für Gebäude, soweit diese beheizt oder gekühlt werden einschl. deren Anlagen der Heizungs-, Kühl-, Raumluft- und Beleuchtungstechnik sowie der Warmwasserversorgung.
Sie gilt nicht für:

  • Energieeinsatz für Produktionsprozesse

  • Betriebsgebäude für die Aufzucht oder Haltung von Tieren

  • offene Betriebsgebäude

  • unterirdische Bauten

  • Aufzucht, Vermehrung und Verkauf von Pflanzen

  • Traglufthallen

  • Zelte

  • Gebäude für den Gottesdienst

  • provisorische Gebäude mit einer Nutzungsdauer bis 2 Jahre

  • Gebäude die wiederholt aufgestellt und zerlegt werden

  • Wohngebäude mit einer jährlichen Nutzungsdauer bis 4 Monaten oder der zu erwartende Energieverbrauch weniger als 25% des zu erwartenden Energieverbrauchs bei ganzjähriger Nutzung

  • Betriebsgebäude mit einer Innentemperatur von weniger als 12 Grad oder jährlich weniger als zwei Monate gekühlt werden


Was ist bei Änderung, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden?

Eine Änderung liegt dann vor, wenn die Fläche der beheizten Umfassungswände ersetzt oder erstmals eingebaut wird.
Bei Außenwänden z.B.

  • bei Erneuerung des Außenputzes, Anbringung von Bekleidungen oder neuen Wänden

  • bei Fenstererneuerungen

  • bei Dachflächen einschl. Gauben sowie Decken und Wände gegen unbeheizte Dachräume diese ersetzt oder erstmals gebaut werden

  • bei Wänden gegen Erdreich oder unbeheizte Räume, wenn diese ersetzt oder erstmals eingebaut werden


Liegt eine Änderung vor, sind die Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten nach Anlage 3 Tabelle 1 ENEV 2014 einzuhalten. Insgesamt darf das geänderte oder erweiterte Gebäude den Jahres-Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes mit nicht mehr als 40% überschreiten (§ 9 Abs. 1 ENEV 2014)
Spätestens dann braucht der Eigentümer des Wohn- oder Nichtwohngebäudes einen Energieausweis einschl. Berechnung.

Was ist mit meinem alten Heizkessel?

Heizkessel mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen, welche vor dem 1.10.1978 eingebaut worden, dürfen nicht mehr betrieben werden.
Heizkessel, welche vor dem 1.1.1985 eingebaut wurden, dürfen ab 2015 nicht mehr betrieben werden.
Heizkessel, welche ab dem 1.1.1985 eingebaut wurden, dürfen nur 30 Jahre betrieben werden.
Ausnahmen:

  • Niedertemperatur-Heizkessel

  • Brennwertkessel

  • Nennleistung < 4 KW

  • Nennleistung > 400 KW


Was ist mit den Zuleitungen?

Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen einschl. Armaturen sind in ungeheizten Räumen zu isolieren.

Was ist mit Dachgeschossdecken oder Dachböden?

Wenn in einem Gebäude jährlich mindestens 4 Monate auf eine Innentemperatur von > 19°C geheizt wird, ist die nicht begehbare aber zugängliche oberste Geschossdecke über beheizte Räume zu dämmen. Dies ist auch dann erfüllt, wenn das darüber liegende bisher ungedämmte Dach gedämmt wird.Ab dem 31.12.2015 sind die obersten Geschossdecken über beheizte Räume mit einem    Wärmedurchgangskoeffizient von 0,24 Watt/(m2.K) zu dämmen.Allerdings gelten hier folgende Einschränkungen:
Bei Wohngebäuden bis zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer zum Stichtag 1.2.2002 selber eine bewohnt hat, sind die o.g. Pflichten erst bei einem Eigentümerwechsel nach dem 1.2.2002 von dem neuen Eigentümer zu erfüllen. Die Pflichterfüllung beträgt 2 Jahre.

Können die erforderlichen Aufwendungen nicht innerhalb einer angemessenen Frist mit den Einsparungen erwirtschaftet werden, brauchen die Nachrüstungen nicht vorgenommen werden (Wirtschaftlichkeitsberechnung).

Was ist mit elektrischen Speicherheizsystemen?

Die Verordnung betrifft nur elektrische Speicherheizsysteme mit mehr als 20 W Heizleistung pro Nutzfläche.Bei Wohngebäuden mit mehr als 5 Wohneinheiten dürfen Eigentümer elektrische Speicherheizsysteme zur Raumwärmeerzeugung nicht mehr betreiben.Bei Nichtwohngebäuden mit mehr als 500 m² Nutzfläche (>4 Monate auf mehr als 19°C beheizt) darf ebenfalls nicht mehr betrieben werden.
Fristenregelungen:
Vor dem 1.1.1990 aufgestellte Anlagen dürfen nur noch bis zum 31.12.2019 betrieben werden.
Nach dem 1.1.1990 aufgestellte Anlagen dürfen nur 30 Jahre ab Aufstellung noch betrieben werden.
Nach einer wesentlichen Erneuerung dürfen die Anlagen nach dem Erneuerungstermin ebenfalls noch 30 Jahre betrieben werden.
Ausnahmeregelungen:

  • nicht anzuwenden, wenn öffentlich-rechtliche Pflichten entgegenstehen

  • nicht anzuwenden, wenn die erforderlichen Aufwendungen nicht innerhalb einer angemessenen Frist mit den Einsparungen erwirtschaftet werden können.

  • nicht anzuwenden, wenn ein Bauantrag nach dem 31.12.1994 gestellt wurde

  • nicht anzuwenden, wenn das Gebäude die Anforderungen der Wärmeschutzverordnung von 1994 erfüllte oder durch Änderungen erfüllt.


Was ist mit meiner alten Fußbodenheizung?

Eine Fußbodenheizung, welche vor dem 1.2.2002 errichtet wurde, ist mit Einrichtungen zur raumweisen Anpassung der Wärmeleistung an die Heizlast auszustatten. Fehlt diese Anpassung, muss sie nachgerüstet werden.

Wann ist ein Energieausweis zu erstellen?

Ein Energieausweis für das gesamte Gebäude ist,

  • bei Neubau eines Gebäudes

  • bei Änderungen eines Gebäudes (siehe Punkt „was ist eine Änderung“)

  • bei Erweiterung der Nutzfläche des Gebäudes

  • bei einem Verkauf oder Vermietung eines Gebäudes oder Wohnungs- und Teileigentum

  • bei Immobilienanzeigen

  • bei öffentlichen Gebäuden mit mehr als 500 m² Nutzfläche oder nach dem 8.7.2015 mit mehr als 250 m2 Nutzfläche einschl. öffentlichem Aushang

  • bei Gebäuden mit starkem Publikumsverkehr mit mehr als 500 m2 Nutzfläche einschl. öffentlichem Aushang

zu erstellen und auf Verlangen der zuständigen Behörde vorzulegen.
Alle Energieausweise müssen eine Registrierungsnummer haben bzw. bei der Registrierstelle beantragt werden.

Wie lange ist ein Energieausweis gültig?

Energieausweise sind für eine Gültigkeitsdauer von 10 Jahren auszustellen. Er ist nach einer gesetzlich bestimmten Form nur von ausstellungsberechtigten Personen auszustellen.

Gibt es Ausnahmen oder Befreiungen von der ENEV2014?

Ausnahmen bestehen bei Baudenkmälern und besonders erhaltungswerter Bausubstanz. Hier ist bei der zuständigen Behörde ein Befreiungsantrag zu stellen.Ein Befreiungsantrag von der ENEV2014 ist auch dann möglich, wenn eine unbillige Härte für den Eigentümer vorliegt.

Was ist unter einer Unternehmererklärung zu verstehen?

Lässt der Eigentümer von einer Baufirma Änderungen an den Außenbauteilen vornehmen oder die oberste Geschossdecke dämmen bzw. einen Heizkessel einbauen oder ersetzen, so hat dieser Unternehmer eine Erklärung abzugeben, dass die Leistung der ENEV 2014 entspricht (§ 26a ENEV 2014). Mit dieser Erklärung haftet der Unternehmer für die Erfüllung aus der ENEV 2014. Diese Erklärung muss vom Eigentümer des Gebäudes mindestens 5 Jahre aufbewahrt werden.

Was ist bei gemischt genutzten Gebäuden?

Ist der Unterschied wesentlich in der Nutzfläche, dann ist eine getrennte Berechnung nach Wohn- und Nichtwohngebäude vorzunehmen. Die Energieausweise sind entsprechend getrennt auszustellen.

Was ändert sich ab dem 1.1.2016?


Strengere Vorschriften für Heizung und Dämmung

Einzelheiten kann einem Beitrag aus www.zuhause.de entnommen werden (hier)


Was kostet ein Energieausweis?

Pauschal kann dazu keine Aussage getroffen werden. Die Kosten hängen von der Größe und der Schwierigkeit des Gebäudes und den notwendigen Aufwendungen ab.
Die Honorare für den Wärmeschutz zählen nicht zu den geregelten Leistungen nach HOAI und können frei vereinbart werden (§ 3 Abs. 1 HOAI 2013). Sie werden aber in der Anlage 1 bei Beratungsleistungen einschl. Honorartafeln aufgeführt. Daraus können Richtwerte entnommen werden.

Liegen keine alten Bestandspläne beim Eigentümer vor, müssen zusätzliche Kosten für eine Bestandsaufnahme und Schadensanalyse einkalkuliert werden.

Sie haben weitere Fragen?

Preisanfrage für ein Angebot oder kostenfreie Beratung unter kontakt@besecke.net

(Anmerkung: Die Ausführungen sind die persönlichen Auffassungen des Verfassers und stellen keine bautechnische oder rechtliche Beratung dar)

Zurück zum Seiteninhalt